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Synodale diskutieren über Rahmenbedingungen zur Vereinigung

Um den geplanten Zusammenschluss der Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar zu einem gemeinsamen Kirchenkreis zum 1. Januar 2019 ging es bei einer gemeinsamen Synodaltagung in den Hüttenberger Bürgerstuben. Die bisherigen Schritte und weiteren Planungen erläuterte Superintendent und Vorsitzender der Steuerungsgruppe, Roland Rust: „Als Gemeinschaft der rheinischen Kirchengemeinden in Hessen wollen wir uns einen zukunftsfesten Rahmen für unsere Arbeit setzen.“ Dieser solle schrittweise gefüllt werden: „presbyterial-synodal, evangelisch-profiliert und kompakt“.

Nach der Absichtserklärung beider Kirchenkreise zur Vereinigung auf der Herbstsynode 2015 und diesbezüglichen Informationsveranstaltungen hatten bei einer „Ideenwerkstatt“ im Februar dieses Jahres Vertreter aus beiden Synoden inhaltliche Impulse für den neuen Kirchenkreis, der die Bezeichnung „Evangelischer Kirchenkreis an Lahn und Dill“ tragen soll, erarbeitet. Den Presbyterien, also den Vorständen der insgesamt 50 Kirchengemeinden, war die Möglichkeit gegeben worden, sich zur Vereinigung zu äußern. Besuche aller Presbyterien durch die Superintendenten tragen dazu bei. Ferner wurden im vergangenen Jahr Arbeitsgruppen zu den Themen „Finanzen“, „Geschäftsordnungen“, „Gremien und Kreissynode“, „Kommunikation“, „Rahmenkonzepte“ und – bereits seit 2015 - „Verwaltungsstrukturgesetz“ eingesetzt, koordiniert von einer Steuerungsgruppe. Gemeinsam mit den Kreissynodalvorständen haben sie dazu 21 Beschlussvorlagen erarbeitet. Die Ergebnisse wurden jetzt bei der Synode vorgestellt und von den 121 Delegierten beider Kirchenkreise ausführlich erörtert.

Ein Schwerpunkt der Diskussionen lag dabei auf dem neuen Kirchensteuermodell. Bislang haben beide Kirchenkreise ihr Kirchensteueraufkommen auf unterschiedliche Weise verteilt. Künftig soll die Kirchensteuervergabe einschließlich der Zahlungen aus dem übersynodalen Finanzausgleich entsprechend der Gemeindegliederzahlen, also pro Kopf, erfolgen. Damit die Gemeinden Zeit haben, sich auf die neue Situation einzustellen, soll es eine zweistufige Übergangsregelung geben: Zunächst werden die bisherigen Kirchensteuerverteilungssysteme nach beiden Kirchenkreisen getrennt bis 2022 weitergeführt. Geplant ist weiter, dass der neue Kirchenkreis auf seiner ersten Finanzsynode 2020 eine fünfjährige Übergangsregelung beschließt, die von 2023 bis 2027 greift. Dann kann ab 2028 das neue Verteilungssystem nach pro-Kopfbeträgen an den Start gehen.

„Wie können auf Dauer die Kirchengebäude finanziert werden?“ „Kann unsere Gemeindehelferin noch bezahlt werden?“ „Geht die Eigenständigkeit von Gemeinden verloren, wenn es aus finanziellen Gründen zu Vereinigungen kommen muss?“ Das waren Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt wurden.

„Ich verstehe, dass jede Gemeinde ihre eigene Situation sieht und auch nicht allein alles leisten kann“, sagte Superintendent Süß. „Wenn wir aber in der Region zusammenarbeiten, kann vieles möglich werden.“

Kirchmeister Jens Michael Wolf machte deutlich: „Ich kann das pro-Kopf-Modell für die Kirchengemeinde Wetzlar akzeptieren, auch wenn Wetzlar dabei hohe Einbußen hat. Dieses Modell ist eindeutig nachvollziehbar und gibt uns mit der langen Übergangszeit Planungssicherheit.“

Diskussionsbedarf gab es auch zum Vorhaben, die Fachausschüsse, Arbeitskreise und Synodalbeauftragungen anders zu strukturieren. Auf diese Weise könnten die zahlreichen Arbeitsfelder, die in beiden Kirchenkreisen vorhanden sind, gebündelt und gleichzeitig vernetzt werden – mit dem Ziel, die Vertreter der Arbeitsbereiche wirksamer ins Gespräch miteinander zu bringen und jeweils die gesamte Arbeit in den Blick zu nehmen. Dabei sollen die Fachausschüsse auch geeignete Personen für die jeweiligen Arbeitsbereiche benennen können. Befürworter des bisherigen Systems befürchten beispielsweise für die weltweiten Partnerschaften Mehrarbeit oder dass bislang eigenständige Arbeitsfelder nicht mehr ausreichend repräsentiert werden.

Für Anfragen sorgte auch die Überlegung, die Zahl der Abgeordneten zur Kreissynode künftig zu verringern. Bei pfarramtlich verbundenen Gemeinden wären dann gegebenenfalls einzelne Gemeinden nicht mehr in der Synode vertreten.

Ein Für und Wider gab es weiterhin zur Frage, ob das Amt des Superintendenten künftig hauptamtlich sein soll. Der Stelleninhaber wäre dann ausschließlich für die Angelegenheiten des Kirchenkreises zuständig und nicht mehr Inhaber einer Gemeindepfarrstelle. Mehr Klarheit in der Aufgabenverteilung einerseits und die Wichtigkeit der Gemeindeanbindung des jeweiligen leitenden Theologen andererseits wurden hier als unterschiedliche Positionen thematisiert.

Doch wie geht es nun weiter? Auf der nächsten Synodaltagung im September müssen die Beschlüsse zu den jetzt diskutierten grundlegenden rechtlichen und strukturellen Bedingungen eines neuen Kirchenkreises gefasst werden. Dann kann der Antrag zur Vereinigung an die Landeskirche gestellt werden. Im Anschluss ist bis Anfang 2019 - soweit nötig - genügend Zeit zur Nachbearbeitung der Vorlagen und Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen. Der Prozess wird mit der Konstituierung der neuen Synode 2020 beendet sein.

Mit einer Andacht von Ellen Wehrenbrecht über das Pauluswort “Prüft aber alles und das Gute behaltet“ aus dem 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5, Vers 21, hatte die Synode begonnen. Die Pfarrerin, die mit den Kirchengemeinden Garbenheim und Niedergirmes zwei pfarramtlich verbundene Gemeinden aus zwei Kirchenkreisen bereits seit vier Jahren betreut, betonte: „Im Blick auf die Vereinigung unserer Kirchenkreise gilt: Ein Zusammenbringen der verschiedenen Traditionen, Menschen und Glaubenserfahrungen könnte wie ein Korb voller Schätze sein, aus dem man sich etwas herausnimmt, was bereichernd und ein Segen ist.“

Den Dank der Landeskirche für das Engagement der beiden Kirchenkreise im Blick auf die Vereinigung überbrachte Kirchenkreisdezernentin Antje Hieronimus.