Den eigenen Glauben freimütig zur Sprache bringen - Delegierte aus Wetzlar und Braunfels bei der rheinischen Landessynode

Mit kirchlich und gesellschaftspolitisch aktuellen Themen wie einem Friedenswort anlässlich des Endes des 1. Weltkrieges, dem Umgang mit Flüchtlingen, dem Sonntagsschutz, einer Jugendsynode sowie mit dem Haushalt 2018 haben sich acht Abgeordnete aus Mittelhessen bei der sechstägigen rheinischen Landessynode in Bad Neuenahr beschäftigt: Superintendent Jörg Süß, Dorothea Heun (beide Wetzlar), Rolf Bastian (Dutenhofen)  und Pfarrerin Alexandra Hans (Wißmar) für den Kirchenkreis Wetzlar sowie Superintendent Roland Rust (Kölschhausen), Manuela Lowies (Altenkirchen), Reiner Förster (Aßlar) und Pfarrer Volkmar Kamp (Leun) für den Kirchenkreis Braunfels. Sie gehörten zu den insgesamt 210 Stimmberechtigten aus 38 Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).
Theologisches Schwerpunktthema war jedoch das Verhältnis von Christentum und Islam. Hier kam es auf der Synode  zu einer kontroversen Diskussion. Debattiert wurde unter anderem, ob ein Ziel des Dialogs der Übertritt vom Islam zum Christentum sein könne und ob Christen und Muslime an denselben Gott glauben. Dazu hatte der Kirchenkreis Wetzlar einen Antrag eingebracht, der in den Aussagen über das Wesen Gottes in der Bibel einerseits und im Koran andererseits erhebliche Widersprüche sieht. „Wir nehmen wahr, dass der Islam an einen Gott glaubt, können aber von unserem Bekenntnis her unmöglich zustimmen, dass es dabei um den dreieinigen Gott geht, den wir anbeten“, heißt es dort. Die Landessynode nimmt demgegenüber „den Glauben muslimischer Menschen als Bindung an den einen Gott wahr“. „Die Synode hat eine theologische Positionsbestimmung vorgenommen, der ich von meinem Bekenntnis zu Jesus Christus und von der Bibel her nicht folgen kann. Christen und Muslime glauben für mich nicht an denselben Gott“, lautet der Standpunkt von Superintendent Jörg Süß. In der theologischen Positionsbestimmung für die Begegnung mit Muslimen, die das Kirchenparlament beschloss, ist  gegenseitiges Kennenlernen, gemeinsames Handeln, Aushalten von Differenzen und eine vertiefte Wahrnehmung der je eigenen Tradition Ziel des Dialogs. Kirchenmitgliedern wird Mut gemacht, „ihren eigenen Glauben im Dialog zu erklären und freimütig zur Sprache zu bringen“.
„Der Dialog mit Muslimen soll in gegenseitigem Respekt weitergeführt werden. Das ist für mich  eine wichtige Arbeit um den Frieden in unserem Land zu bewahren“, sagt Pfarrer Volkmar Kamp aus Leun dazu. Eine Kirche in der Nachfolge Jesu setze sich für „gerechten Frieden“ ein statt auf Waffen und Militär zu bauen.

Mit der Verabschiedung eines Friedenswortes anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren plädiert die Synode dafür, die rheinische Kirche zu einer „Kirche des gerechten Friedens“ zu machen. Sie fordert den Abzug von Atomwaffen aus Deutschland und den Stopp von Rüstungsexporten. Das Friedenswort soll auf allen Ebenen der rheinischen Kirche diskutiert und die Rückmeldungen der Landessynode 2021 vorgelegt werden.

Weiterhin treten die Delegierten dafür ein, Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus einen erleichterten Familiennachzug zu ermöglichen und minderjährige Flüchtlinge besonders zu schützen. Die Synode richtet sich gegen eine Obergrenze bei der Aufnahme von Geflüchteten und mahnt eine an humanitären Standards ausgerichtete gesamteuropäische Flüchtlingspolitik an.
 „Da immerhin fast jedes vierte Mitglied der rheinischen Kirche unter 27 ist, freut es mich besonders, dass die rheinische Kirche in 2019 eine Jugendsynode durchführen wird“, meint Manuela Lowies. Das begrüßt auch Rolf Bastian: „Es war erfreulich zu erleben, wie engagiert und mit Nachdruck junge Synodale in den Beratungen der Woche ihre Anliegen vertraten und einen profunden Einblick in die Lebenswelt der Jugend gaben. Dies wurde durch den Jugendbericht deutlich.“
Auf der Jugendsynode im Vorfeld der Landessynode 2019 werden entsprechende Vertreter Themen für die Landessynoden der folgenden Jahre erarbeiten.

Den Sonntag sieht das Kirchenparlament als „hohes Gut unserer Sozialkultur“. Er biete den Menschen Raum, sich auf das Wesentliche im Leben zu besinnen und erinnere daran, dass die Würde der Menschen nicht an ihrer Leistung hänge. Den Synodalen geht es dabei nicht nur um den Schutz der Gottesdienstzeiten, sondern auch der Arbeitnehmer. Kritisiert wird das Bestreben, Ladenöffnungszeiten auch an Sonntagen auszuweiten. Die rheinische Kirche hat dazu die Aktion #unser Sonntag ist uns #heilig in den sozialen Medien gestartet.

Dass die Seelsorge einer der wichtigsten kirchlichen Arbeitsbereiche ist, darauf wies Präses Manfred Rekowski in seinem Jahresbericht hin. Doch werde dieses Tätigkeitsfeld seltener wahrgenommen als andere, denn: „Diese Arbeit geschieht nicht öffentlich.“ Weiter trat der leitende Theologe der rheinischen Kirche dafür ein, gegen den Antisemitismus Stellung zu beziehen. Dies sei Christenpflicht und gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit. Auch die zunehmend auseinander gehende Schere zwischen Arm und Reich nahm der Präses in den Blick: “Wohin soll das führen, wenn in einer Gesellschaft die einen kaum leben können von ihren Löhnen, während bei anderen Einkommen und Vermögenswerte nahezu unbegrenzt anwachsen?“

Zur Nachfolgerin von Oberkirchenrat Klaus Eberl im Leitungsamt der Abteilung Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt sowie als hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung wählte die Synode Superintendentin Henrike Tetz (Düsseldorf).

Auch in diesem Jahr kann ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden. Dabei wird mit einem Kirchensteuerverteilbetrag von 725 Millionen Euro gerechnet. Weiter verfolgt werden im Blick auf die demographische Entwicklung die in den Jahren 2015 und 2016 beschlossenen Sparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung.

Weitere Informationen zur Landessynode sind unter www.ekir.de/landessynode zu finden.


Hintergrund „Landessynode“
Die in der Regel Anfang Januar und damit als erste aller EKD-Gliedkirchen jährlich tagende Landessynode ist das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Sie entscheidet über die wichtigsten Belange der Landeskirche. Von den über 2,5 Millionen Mitgliedern der rheinischen Kirche, die zwischen Niederrhein und Saar in 38 Kirchenkreisen mit 694 Kirchengemeinden organisiert sind, gehören 74.400 zu Hessen. In den Kirchenkreisen Braunfels und Wetzlar gibt es insgesamt 50 Kirchengemeinden. Oberster Repräsentant der EKiR als der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland ist seit 2013 Präses Manfred Rekowski. Er steht gleichzeitig der Kirchenleitung vor, die in der Zeit, in der die Landessynode nicht tagt, die Geschäfte führt.

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