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Das geistliche Wort

Gekühlte Erdbeerschokolade – ein Traum. Freundlich bitte ich meinen alten Bekannten und sein hochgehaltenes Gastgeschenk zur Türe hinein und wir setzen uns zu einer Tasse Kaffee hin. Schmeckt. Ich drehe die Packung um. Diese Tafel bietet gerade mal ein fünftel Gramm Erdbeeren. Aber die Leute von der Firma setzen eine Riesen-Erdbeere auf die Verpackung. Ja, es schmeckt nach Erdbeeren. Aber darf ich denn vollmundig „Erdbeerschokolade“ draufschreiben, wenn von allem anderen mehr drin ist als Erdbeeren? „Schokolade mit einem Hauch von Erdbeeren“, murmele ich. „Das würde keiner kaufen“, kontert mein Bekannter. „Aber ich will doch wissen, was Verpackung und was Inhalt ist“, gebe ich zurück und überlege, was auf meiner Verpackung stehen würde. „Harmlos mit wohldosierter Unberechenbarkeit“, frotzelt mein Gegenüber. Ich erspare ihm mein Vorschlag für ihn und denke an meine Kirche. Und an Gott. Was kann ich da erwarten? Was würden da Menschen auf die Verpackung schreiben? Und – wie zeigt Gott sich selbst? „Ja, da kann man viel zu sagen“, kommt es lustlos von der anderen Seite des Tisches. „Vor allem, wenn es darum geht, dass man beim Thema Gott so vieles unter einen Hut bringen will!“ - „Du bleibst ein trauriger Fall“, sage ich. „Talkshow- und Internet-Weisheiten nachplappern statt da nachzusehen, wo wirklich etwas steht. Was hältst du denn davon (Jesaja 63, 16): ‚Bist du doch unser Vater; denn Abraham weiß von uns nichts und Israel kennt uns nicht. Du Herr, bist unser Vater.‘“ – „Kenn ich“, sagt mein Bekannter. „Könnte ein Schlag ins Gesicht sein bei allen, die viele Vorstellungen von Gott unter einen Hut bringen wollen, alles nur über lange Tradition, gemeinsamen Abraham, und so weiter.“ – „Vielleicht besteht für dich ja noch Hoffnung“, meine ich. „Gott unser Vater, wie Christus ihn genannt hat, sein Vater und unser Vater auch.“ „Beurteile alles nur nach dem Inhalt“, sagt mein bekannter und nimmt ein Stück seines Gastgeschenkes in den Mund. „Auf der Verpackung kann alles Mögliche drauf sein.“ – „Stimmt“, sage ich, „Wenn er wie ein Vater zu uns ist, dann zeigt er das auch, dann ist sonnenklar, wie er zu uns steht.“ – „Stehen ist das Stichwort“, sagt mein gegenüber. „Auf in die sonnenklare Umgebung, den Kaffee abtrainieren.

Schöne Pausen, erholsame Tage und Gottes Segen wünscht Ihnen

Ihr

Siegfried Meier, Pfarrer