In der Kirche zu Hause

Wer samstags in der Hospitalkirche vorbeischaut, wird dort alle zwei Wochen Gertrud Heckel treffen. „Hier bin ich zu Hause“, sagt sie. Zwar wohnt sie nicht in der Kirche an der Alten Lahnbrücke, sondern in Oberwetz. Aber sie ist mehrmals in der Woche hierzum Glück hat sie ein Auto. Samstags hat sie die Aufsicht in der offenen Kirche. Sonntags geht sie in den Gottesdienst und macht regelmäßig die Lesung. Mittwochs ist alle zwei Wochen Seniorenkreis, den sie leitet. Dafür kommt sie immer etwas früher, bringt selbstgebackenen Kuchen mit, deckt die Tische, kocht Kaffee und bereitet alles vor. „Mir macht es Freude, mit anderen gläubigen Menschen zusammen zu sein“, erzählt sie. Wenn sie nicht mehr in die Kirche gehen könnte, wäre das traurig für sie. Und auch andere würden ihr Fehlen sicher bemerken. Denn sie trägt auch Gemeindebriefe aus, macht Geburtstagsbesuche und vertritt Pfarrer Siegfried Meier ab und zu bei den Gesprächskreisen im Wilhelm-Reitz-Haus.

Einmal in der Woche geht Gertrud Heckel in die Kita in der Bredowsiedlung: als „Leseoma“. Rund 150 Kinderbücher hat sie zu Hause. Jedes Mal bringt sie einen Korb voll mit und liest den Kindern daraus vor. „Das macht mir viel Spaß. Sie glauben nicht, was man da zurückbekommt.“ Gertrud Heckel hat selbst vier Enkel und drei Urenkel. Mit ihrem Mann feierte sie im vergangenen Jahr Eiserne Hochzeit – 60 Jahre Ehe. Eigentlich hatte sie vor, mit 80 Jahren ihre aktive Mitarbeit in der Gemeinde beenden. Das wäre vor drei Jahren gewesen. Doch so lange es die Kräfte zulassen, will sie weitermachen.

Gertrud Heckel ist ein „Wetzlarer Mädchen“: Sie ist als eines von zehn Kindern hier geboren und hat auch fast das ganze Leben lang hier gewohnt. Viele Pfarrer hat sie in den Jahrzehnten, die sie in der Gemeinde schon mitarbeitet, kommen und gehen sehen. Vierzehn Jahre war sie Presbyterin. „Der Glaube hat schon mein ganzes Leben lang eine wichtige Rolle gespielt“, sagt sie. Besonders in Krankheitszeiten hat ihr das geholfen. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ – der Beginn von Psalm 23 ist ihr Konfirmationsspruch. „So ist es auch“, sagt sie. „Irgendwo kommt immer wieder frischer Wind her und es geht weiter.“

Jonathan Steinert

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