Entwicklung von Modellen überzeugender Glaubenspraxis
Es ist davon auszugehen, daß vielen Christen nicht unbedingt bewußt ist, was ‘lebendige Nachfolge Jesu Christi’ hier und heute bedeutet. Es fehlt diesbezüglich sowohl an Menschen mit Vorbildcharakter als auch an der Kenntnis nachahmenswerter Lebensmodelle. Ferner ist zu beobachten, daß der Glaube als Beziehungsgeschehen in ähnlicher Weise von ‘Abnutzungserscheinungen’ bedroht ist wie etwa eine langjährige Ehe.
Um diesen ‘Gewöhnungseffekten’ entgegenzuwirken und eine neue Leidenschaft des Glaubens zu ermöglichen, soll in den Gemeindeveranstaltungen und Gruppen verstärkt Raum zum Kennenlernen christlicher Lebenskonzepte und von Glaubensvorbildern aus Geschichte und Gegenwart gegeben werden.
Diesem Ziel sollen folgende Maßnahmen dienen:
- Einladungen von Referenten mit inspirierender Glaubenspraxis
- Begegnungen mit Christen aus der Ökumene
- Gemeindefreizeit in der Kommunität Montmirail, Schweiz (ca. 100 Teilnehmer)
- Stärkung der Seelsorge innerhalb der Kerngemeinde
- Beschäftigung der Hauskreise mit herausfordernder Literatur wie etwa:
B.Krause, "Auszug aus dem Schneckenhaus", Neukirchen-Vluyn, 1996.
Für Jugendliche: R.Werner, "What would Jesus do?", Wuppertal 1999
Die Punkte a - c sollten bei der Jahresplanung für 2001 Berücksichtigung finden, die Maßnahme d im Sommer diesen Jahres einsetzen. Zu ihrer Organisation und Durchführung bedarf es allerdings mittelfristig des Engagements eines zweiten hauptamtlichen Pastors bzw. einer Pastorin (vgl auch: Gemeindliches Leben, Maßnahme 2 b und d). Die Maßnahme e bleibt der Zeitplanung der Hauskreise überlassen, wird aber dringend empfohlen.
Stärkung der Wahrnehmung der Senioren und Jugendlichen in der Gemeinde
Da der Schwerpunkt der aktiven Gemeinde zur Zeit im Altersbereich zwischen dreißig und fünfundsechzig Jahren besteht, besteht die Gefahr, daß sowohl die Senioren als auch die Jugendlichen aus dem Blickfeld der Gemeindearbeit geraten. Ziel ist es daher, daß die Wünsche, Hoffnungen und Anfragen der älteren und jüngeren Gemeindeglieder genauer kennenzulernen.
Als Maßnahme wird empfohlen, das Presbyterium darum zu bitten, ab Sommer 2000 eine qualitative Befragung von Senioren und Jugendlichen in Einzelgesprächen durchzuführen. Ferner wird der Besuchsdienstkreis gebeten, bei seinen Besuchen verstärkt Fragen in die angezeigte Richtung zu stellen.
Konsequenzen für das gemeindliche Leben
Stärkung und Weiterentwicklung des gottesdienstlichen Lebens
Auf dem Weg zu einem Gottesdienstmodell, das Jung und Alt, Kirchendistanzierte wie Kerngemeinde anspricht, bedarf es weiterer Bemühungen um den Gottesdienst. Besonderer Bedeutung kommt hier in aller gebotenen Vielfalt der kirchenmusikalischen Arbeit zu. Die Singekultur der Gemeinde und die Arbeit der Chöre bedarf der Stärkung und Aufwertung.
Als Maßnahmen in diesem Bereich ergeben sich:
- Ermutigung zur Beteiligung an den gemeindlichen Chören
- Beteiligung der Chöre im Gottesdienst mindestens 1 x monatlich
- Gesprächsabend zum Selbstverständnis unserer gemeindlichen Kirchenmusik
- Bildung von Arbeitsgruppen zu den Themen: ‘Familiengottesdienst’/ Integrative Gottesdienstmodelle
Die Maßnahmen a-c sollen im Laufe des Jahres in Absprache mit KMD Eichhorn beginnen. Als Einberuferin für die Maßnahme d hat sich Frau Sabine Loss zur Verfügung gestellt.
Ausbau des ehrenamtlichen Engagements
Unsere Gemeinde lebt in ihrer Vielfalt vom Engagement ihrer ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Sie in ihrem Glauben, ihrer Motivation und Zufriendenheit zu fördern, sowie zur Eigeninitiative zu ermutigen, ist ein vorrangiges Ziel unserer Gemeinde. Eine Steigerung der Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter um jährlich 10% wird anvisiert, da bisher vermutlich längst noch nicht alle in der Gemeinde vorhandenen Gaben zur Entfaltung kommen konnten.
Als Maßnahmen wurden angeregt:
- Erstellung eines Fragebogens zur Erhebung der notwendigen Informationen über die möglichen Handlungsfelder, Wünsche, Sorgen und Frustrationen der Mitarbeitenden
- Bildung eines Seelsorgeteams von haupt-/ehrenamtlichen Mitarbeitern für haupt-/ehrenamtliche Mitarbeiter
- Erstellung und Veröffentlichung eines Organigramms der Gemeinde zur besseren Information
- Schulungsangebote für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
- Berufung von Kontaktpersonen für die Einzelbereiche der Gemeindearbeit
Die Maßnahmen a und c sollen im Laufe dieses Jahres umgesetzt werden. Als Kontaktperson hierfür hat sich Herr Rolf Hafemeister zur Verfügung gestellt. Die Maßnahmen b und d können in der gegenwärtigen Situation nur ansatzweise verwirklicht werden können, da eine stärkere Begleitung der Mitarbeiter die Anstellung eines zweiten Hauptamtlichen im pastoralen Dienst erfordert.
Höhere Verbindlichkeit des gemeinschaftlichen Lebens
So wie der Gottesdienst die ‘Vollversammlung’ der Gemeinde bildet, so bilden die Gruppen und Kreise ihre Zellstruktur. Da hier verbindliches geistliches Leben eingeübt werden soll, bedarf es einer Förderung dieser Gruppen und Kreise. Ein weiteres Ziel besteht in der Herausbildung eines Gemeindebewußtseins im Sinne einer ‘corporate identity’. Als wichtig hierfür wird das regelmäßige gemeinsame Feiern gesehen sowie die Verbesserung der Kommunikationsstrukturen in der Gemeinde.
Die Maßnahmen für diesen Bereich lauten:
- Durchführung von gemeinsamen Hauskreistagen für die Hauskreise in der Gemeinde (mindestens 2x jährlich)
- Bildung eines Seelsorgeteams, stärkere pastorale Begleitung der Gruppen und Kreise
- Umwandlung der Gemeindefeste zu ‘Feiertagen’ der Gemeinde, konkrete Einbeziehung der Gruppen in die Vorbereitung von Basar und Gemeindefest
- 2x jährliche Gemeindeversammlungen mit Planungsüberblick
- Rückgewinnung des gemeindlichen Mittagessens 1x im Monat im Anschluß an den Gottesdienst
- Entwicklung von Werbemitteln wie Dom-Aufklebern, Kugelschreibern, etc.
Die Maßnahmen a und c haben bereits im Frühjahr begonnen. Für Maßnahme a steht (befristet!) Presbyter Volker Bähr als Kontaktperson zur Verfügung, die Koordination für Maßnahme c hat der Kreis der Gruppenleiter übernommen. Die Maßnahmen d und f sollen ebenfalls im Laufe des Jahres umgesetzt werden. Die Frage der Umsetzung der Punkte b und e ist zur Zeit noch ungeklärt.
Da sich einige zentrale Ziele im Bereich ‘Gemeindliches Leben’ nur unter der Bedingung einer zweiten hauptamtlichen Stelle im pastoralen bzw. gemeindekatechetischen Dienst erreichen lassen, ist die Gemeindeleitung aufgefordert, im kommenden Jahr die Rahmenbedingungen für die Schaffung einer solchen Arbeitsplatzes zu klären. Klar ist dabei, daß ein Rückgriff auf den Etat der Gemeinde oder des Kirchenkreises nicht möglich ist, diese Stelle also durch Fundraising und aus Spendenmitteln finanziert werden muß.
Konsequenzen für die Sendung
Aufbau evangelistischer Strukturen
Damit die Gemeinde ihrer Berufung gerecht werden kann, bedarf sie offener Lebensformen und ansprechender Angebote, die ein breites Spektrum von Menschen erreichen. Ziel ist daher sowohl der Aufbau einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit als auch die erfolgreiche Fortführung der kirchenmusikalisch-kulturellen Gemeindearbeit. Erreicht werden soll in den kommenden Jahren eine Steigerung der aktiven Gemeindemitgliedschaft von derzeit ca. 10 % um jährlich mindestens 1%. (Als aktive Gemeindemitgliedschaft wird ein regelmäßiger Besuch der Gottesdienste und die verbindliche Unterstützung der Gemeindearbeit verstanden.)
Als Maßnahmen sind vorgesehen:
- Stärkung des Besuchsdienstkreises von derzeit ca. 10 auf 20 Mitarbeiter
- Aufbau eine Begrüßungsdienstes für ‘Newcomer’ (Erstbesucher) im Domgottesdienst
- Einrichtung eines mobilen Kirchencafè im Anschluß an den Gottesdienst
- Förderung der Arbeit der ehrenamtlichen Domführer
- Angebot von sowohl ‘volkstümlichen’ als auch anspruchsvollen Konzerten
- Aufbau eines Förderkreises Kantorei
- Aufbau einer GemeindeWebsite im Internet
- Aufbau eines Redaktionskreises für den Gemeindebrief
- Aufbau eine Messestandes für die Gemeinde (Missionale, Expo, Kirchentage, etc.)
- Missionarische Schulung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
Die Maßnahmen a, c, d und e werden bereits umgesetzt. Unklar ist noch die Durchführung der Maßnahmen b, g und i. Alle anderen Projekte sollen noch im Laufe dieses Jahres angegangen werden. Informationen zu den Kontaktpersonen gibt Pfr. Stollwerk.
Gesellschaftliches Umfeld wahrnehmen
Ihre Wirkung kann die Gemeinde nur dann voll entfalten, wenn sie über den Kontext informiert ist, in dem sie lebt und arbeitet. Von daher ergibt sich das Ziel, daß sowohl die Gemeindeleitung als auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter über die ozialstruktur und Entwicklungen innerhalb der Kernstadt Wetzlars informiert sind. Geistliche Verantwortung übernimmt die Gemeinde, indem sie das Tagesgeschehen in Wetzlar aufmerksam verfolgt und von der Bibel her öffentlich Stellung nimmt, falls die Situation es erfordert.
In ihrer weltweiten Perspektive verfolgt die Domgemeinde das Ziel der intensivierten Fortführung ihrer Zusammenarbeit mit der
Kindernothilfe Duisburg e.V. im gegenwärtigen Umfang (Verantwortung für 200 Patenkinder in aller Welt, Unterstützung des Ausbildungszentrums in
Legazpi / Philippinen mit jährlich 40.000 DM).
Von diesen Zielbestimmungen her ergeben sich als Maßnahmen:
- Mitarbeit von Gemeindegliedern am Prozeß ‘Lokale Agenda 21’
- Arbeit mit dem Sozialatlas der Stadt Wetzlar
- Bildung eines ‘Ausschuß für öffentliche Verantwortung’ (z.B. zur Koordination von Leserbriefaktionen)
- Partnerschaftsbesuch in Legazpi im Juli 2000
- Informationen über die Arbeit der Kindernothilfe e.V. in den Gruppen und Kreisen der Gemeinde
Alle genannten Maßnahmen werden bereits umgesetzt bzw. sind für das laufende Jahr geplant.