
Liebe Paten und Spender,
herzliche Grüße aus Legazpi auf den Philippinen. Wir haben im vergangenen Jahr wieder sehr viel erreicht. Unser Zentrum konnte mit den laufenden Programmen insgesamt 309 jungen Leuten in den unterschiedlichsten technischen und handwerklichen Ausbildungsgängen helfen.
Ein völlig neuer Arbeitszweig betrifft benachteiligte junge Leute, deren Begabungen nicht im technischen Bereich liegen. Sie können lernen, wie man Schlammkrabben mästet. Auf der Insels Bacacay sind die Krabben eine viel versprechende Einkommensquelle. Zwanzig junge Leute, die mangels Perspektive vorzeitig die Schule verlassen hatten, wurden organisiert. Sie erhielten die Erlaubnis, einen Käfig in einem Sumpf auf regierungseigenem Gelände aufzustellen, um dort die Krabben aufzuziehen. Die Mitglieder dieser Gruppe füttern und pflegen die Krabben nicht nur, sondern treffen sich auch einmal in der Woche, um Probleme zu besprechen und zu lösen, mit denen sie selbst, ihre Familien und Dörfer zu kämpfen haben. Romy Balauer, einer der Mitglieder, ging nie zur Schule, weil seine Familie sehr arm war. Die Ablehnung durch andere Familienmitglieder führte dazu, dass er viel Ärger im Dorf verursachte. Nach zehn Monaten der Teilnahme am Projekt ist er nun eines der verlässlichsten und vertrauenswürdigsten Mitglieder. In der Nähe seiner Hütte hob er selbst einen kleinen Teich aus, in dem er nun Schlammkrabben züchten kann. Auch Romys Eltern haben gemerkt, wie sehr sich das Leben ihres Sohnes verändert hat.
In Manito gibt es eigen Organisation, die sich "Club 4H von Manumbalay" nennt. Dieser Gruppe gehören 20 Mitglieder, zumeist ebenfalls Schulabbrecher, an. Sie erhielten eine Ausbildung in der Hähnchenproduktion, die den speziellen Erfordernissen ihres Dorfes angepasst war. Im vergangenen Jahr hat die Gruppe dreimal junge Hähnchen aufgezogen und verkauft. Die ersten beiden Aufträge brachten ein Einkommen von 2000 Pesos, das sind 40 Euro. Felicisimo Marquez Jr., eines der Mitglieder, bezahlt seine Ausbildung nun von seinem eigenen Verdienst. Nach Schulabschluss füttert er die Hähnchen und säubert ihre Käfige. Er ist stolz darauf, mit seinem eigenen Einkommen eine richtige Schulausbildung machen zu können.
Eine neue Komponente unserer Arbeit ist auch die Vermittlung von Arbeitsplätzen. Wir waren sehr erfolgreich und konnten 111 Absolventen in verschiedenen Werkstätten innerhalb Legazpis und den angrenzenden Städten eine Stelle vermitteln. In jedem Ausbildungskurs und allen Projektaktivitäten werden auch Fertigkeiten der Lebensbewältigung vermittelt. Die Auszubildenden treffen sich regelmäßig, um zu diskutieren und Ideen und Sorgen auszutauschen, denen sie in ihrem Alltag begegnen. Das wird sowohl von den Eltern als auch von den Auszubildenden selbst sehr geschätzt. Viele von ihnen entwickeln mehr Verantwortungsbewusstsein und eine positive Einstellung zu sich selbst und ihrer Arbeit.
Diese 309 jungen Menschen, denen wir helfen konnten, sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein der Arbeitslosigkeit in unserem Land. Aber wir sind überzeugt, dass wir mit Ihrer Unterstützung dies Problem langsam aber sicher mildern, wenn nicht sogar ganz lösen können.
Peter Bellen, Projektleiter des Ausbildungszentrums, Legazpi City