
Vor einem halben Jahrhundert haben Vertriebene aus Schlesien und Ostpreußen sowie Wetzlarer Bürger in der Kreuzkirche eine neue Heimat gefunden. Daran erinnerte Pfarrer Jörg Süß im Festgottesdienst zum 50-jährigen Bestehen des Gotteshauses. Damals sei es dem Wetzlarer Pfarrer Johannes Plath (1903 - 1990) ein Anliegen gewesen, Menschen unter dem Kreuz zu versammeln. Auf dem Grundstück der Familie Failing an der Stoppelberger Hohl hatten sich zunächst Menschen zu Gottesdiensten im Freien unter einem Holzkreuz zusammen gefunden. Neben den Anwohnern kamen auch zahlreiche Wetzlarer auf ihrem Sonntagsspaziergang Richtung Kirschenwäldchen zu den Gottesdiensten. Am 11. Januar 1959 konnte dann eine eigene Kirche samt dem daneben stehenden Turm eingeweiht werden. In rund 4.000 Gottesdiensten hätten bis heute Menschen Trost und Hoffnung erfahren, so Süß in seiner Predigt vor rund 300 Besuchern. Dabei erinnerte er an die Gründerväter und –mütter, denen es nicht darum gegangen sei, ein prunkvolles Gebäude zu errichten, sondern darin die Beziehung zu Gott zu pflegen sowie die Menschen in Beziehung zu Gott bringen.
Aus diesem Grund sei vor 50 Jahren die „Kirche unter dem Kreuz“ gebaut und vor 30 Jahren mit Gemeinderäumen erweitert worden. Für das Jubiläumsjahr kündigte Süß eine Innenrenovierung an, die nach Pfingsten beginnen soll.
1959 ebenso wie heute ging und gehe es um den Gottesdienst, so der Pfarrer. Nicht allein um den Sonntagsgottesdienst sondern um den Dienst für Gott auch im Alltag. In seiner Predigt bezog sich Süß auf einen Abschnitt aus dem Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 12, Verse 1 bis 8. Dort heißt es „Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung, das sei euer vernünftiger Gottesdienst“.
Süß erinnerte an die Personen, die als Presbyter vor 50 Jahren die Wege zum Bau der Kirche beschritten hatten, an die Pfarrer, die bis heute Dienst getan haben, an die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich für ein lebendiges Gemeindeleben engagieren.
An dem Festgottesdienst wirkten auch mit Prädikant Karl-Heinz Später als Liturg sowie die Vorsitzende des Bezirksausschusses Christine Sinkel, die die Besucher begrüßte. Der Singkreis der Kreuzkirche unter Leitung von Kantor Hans Kunz sang zwei Stücke, die Kunz 1953 zur Einweihung der Orgel in der Nauborner Kirche komponiert und uraufgeführt hatte.
Im Anschluss an den Gottesdienst zeigte Erich Wehrenfennig im Gemeindesaal Dias vom Bau der Kreuzkirche und zitierte aus alten Urkunden. Gemeinschaft wurde gepflegt beim Mittagessen, zu dem zahlreiche Mitglieder durch mitgebrachte Salate beitrugen.
Bereits am Vorabend hatten rund 100 Besucher das 50-jährige Bestehen des Gotteshauses mit einem Konzert gefeiert. Dabei präsentierte der Singkreis der Kreuzkirche Motetten aus verschiedenen Jahrhunderten sowie Werke von Kantor Hans Kunz. Die Jugendband der Gemeinde unter Leitung von Werner Kohls trug mit drei Liedern, unter anderem mit „Groß ist unser Gott“ zu dem musikalischen Programm bei. Zudem spielte der Posaunenchor der Gnadenkirche (Leitung Kirchenmusikdirektor Joachim Eichhorn). Eröffnet wurde das Konzert von Hans Kunz mit dem Orgelpräludium in D-Dur, einer Improvisation von Sigfried Karg-Elert.