
„Die Mütter“, so nennt sich ein Musikkabarett-Trio, das in der Kreuzkirche rund 350 Besucher bestens unterhalten haben und zugleich die Lachmuskeln strapaziert hat. Durch ihr Programm „Kann denn Bügeln Sünde sein?“ haben sich die drei Damen Thea Eichholz, Margarete Kosse und Carola Rink in den vergangenen Jahren auch in Mittelhessen ein begeistertes Publikum erarbeitet. Nun waren sie auf Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar erstmals mit ihrem neuen Programm „Wir meinen’s doch nur gut!“ in Mittelhessen zu sehen.
Während sie seit 1999 ihre Erfahrungen mit den Ehemännern und den Kleinkindern auf die Schippe nahmen, sind die Männer und auch die Kinder älter geworden. So war es konsequent auch die Themen ihrer Sketche und Lieder diesem Wachstum anzupassen. Das neue Programm besingt nicht mehr die Windelberge. Das Trio hat aber weiterhin den Alltag einer Frau im Focus. Dass dabei die Männer nicht immer gut abschneiden, das konnten die Besucher bereits im ersten Teil des Abends erleben. Eichholz, Kosse und Rink gingen durch die Reihen und versorgten die männlichen Konzertgäste mit Zeitschriften, denn „Sie sind vermutlich nicht freiwillig mitgekommen“, so Eichholz. Damit sich der männliche Teil des Publikums nicht langweile, überreichten sie Hobby- und Fachzeitschriften für Computer- und Autointeressierte. Ein Besucher konnte sich über eine Tüte Gummibärchen freuen, nicht ohne die Frage an die Frau an seiner Seite, ob er denn auch eine Süßigkeiten verspeisen dürfe.
Entstanden ist die Idee zu „Die Mütter“ bei einer Hochzeitsfeier. Die drei Damen, die damals alle im Raum Gummersbach lebten, brachten dem frisch vermählten zwei Musical-Songs zu Gehör, was offensichtlich gut ankam. Wenig später wurden alle drei Mütter und fanden so den Stoff für ihr Programm. 2006 kam die Live-CD „Kann denn Bügeln Sünde sein“ beim mittelhessischen Verlag Gerth Medien (Aßlar) heraus. Jetzt hat der Verlag bereits das neue, für viele noch unbekannte Programm, ebenfalls auf CD gepresst. „Wir meinen's doch nur gut“ – dieser Seufzer aus tiefstem Mutter-Herzen ist Titel des abendfüllenden Kabarett-Spektakels. Verbunden ist dieser Seufzer mit turmhohen Wäschebergen, dem unbedarften Liebsten, den pubertierenden Kindern und dem „ganz normalen Hausfrauen-Wahnsinn“.
Schon im ersten Lied ziehen die drei Damen das Interesse des Publikums auf sich. In „Müttertour“ besingen sie den Streß, der sie regelmäßig vor einem Liveauftritt ereilt. Sie machen sich lustig über Toilettenpapier, das mit Texten bedruckt ist. Schnell kommen sie auf die Idee, die Werte der Pisastudie durch „gehaltvolles Klopapier vor dem Gebrauch“ zu verbessern, Themenklos einzurichten beispielsweise für Französisch.
Sie besingen die Probleme, die eine Frau mit dem Navigationsgerät im Auto haben kann, während Eberhard Rink, der sie am Klavier begleitet, seine Freude an dem Gerät hat, weil es ihn als Ziel bringt. Die Mütter aber kritisieren, dies sei sicher eine Erfindung eines Mannes. Den größten Applaus fanden die Songs, die sich mit der Pubertät der eigenen Sprößlinge auseinander setzten. Dabei verkleideten sich die gestandenen Damen mal wie ihre pubertierenden Kinder als Breakdancer. Ein anderes Mal beim Lied „Puh-bertaet“ halten sie sich Dirndl vor, weil sie sich diesem „Krisengebiet“ nicht unvorbereitet stellen wollen. Und mit einem breiten Schmunzeln geben sie die Errungenschaften ihrer therapeutischen Selbsthilfe-Trachtengruppe weiter.
Entspannung finden die drei offensichtlich beim Friseur, dem sie ein eigenes Lied widmeten. Montagsmorgens im Wäschekeller die zugspitzenartigen Berge, die sie als Kammer des Schreckens vorstellen, werden besungen.
Jede Sängerin konnte sich in eigenen Beiträgen als Solistin darstellen. Etwas Tiefe bekam der Abend, also Thea Eichholz an den Tod ihres ersten Mannes erinnerte und berichtete, dass sie einen Witwer geheiratet hat, der zwei Kinder mit in die Ehe brachte. „Gott nimmt uns Lasten ab“, so ihr Resümee, das sie in „Gib mir deine Last“ in Noten und Töne packt.
Eberhard Rink philosophiert darüber, warum eine Frau mit einer anderen Frau so gerne auf Klo geht.
Nach fast zwei Stunden erklatscht sich das Publikum zwei Zugaben: ein Weihnachtslied „Iberogast, Meditonsin“, über die Arbeit einer Frau, wenn die Erkältung in der Familie einzieht und „Mister Sandmann“ eine Lied aus ihrem früheren Programm.
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