
Vor 50 Jahren, am 30. November 1958, wurde die Magdalenenkirche in der Silhöfer Aue (Magdalenenhäuser Weg 17a) eingeweiht. Dies ist jetzt Anlass für einen Festgottesdienst am Sonntag, 30. November, um 11 Uhr.
Die Geschichte der Kirchengemeinde im Wetzlarer Westend reicht jedoch noch weiter zurück. Am 4. September 1950 schenkte die Unternehmerfamilie Leitz der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar eine Holzbaracke am Lahnufer in der Braunfelser Straße. Die Betriebsbaracke befand sich auf dem Holplatz der Ernst-Leitz-Werke und wurde ab dem 5. Dezember 1951 für die sich vergrößernde Siedlung „Silhöfer Aue“ für Gottesdienste, Bibelstunden, Gemeindeversammlungen sowie die Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden. In der Woche wurde das neun mal sechs Meter große Gebäude mit seinen rund 50 Sitzplätzen als Kindergarten genutzt. Sie gehörte zu den überall im Land nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Notkapellen. Am 12. August 1953 wurde neben dem „Kapellchen“ ein Glockenstuhl eingeweiht, bei dem die Mädchen und Jungen des Kindergartens mitwirkten.
1954 wurde für den neuen Gemeindebezirk in der Silhöfer Aue eine Pfarrstelle eingerichtet, die Herbert Weber am 21. Mai 1956 übernahm und bis 1989 inne hatte.
Im Jahr 1957 zählte die Gemeinde im Westend rund 3.000 Mitglieder, davon waren viele bei der Bundeswehr beschäftigt. Im Mai dieses Jahres überließ die Stadt der wachsenden Kirchengemeinde im Rahmen des sogenannten Hospitalvertrages ein 6.000 Quadratmeter großes Grundstück am Rödelberg. Darauf entstand zunächst die heutige Magdalenenkirche sowie der evangelische Kindergarten Silhöfer Aue und später das Pfarrhaus. Weil die Militärseelsorge diese Kirche für ihre Gottesdienste nutzte, musste sie für mindestens 200 Besucher Platz bieten. Aus diesem Grund beteiligte sich die Bundeswehr an den Baukosten mit 30.000 Mark. Eine amerikanische Division aus Gießen führte im November 1957 die Erdarbeiten mit schwerem Gerät aus. Statt der veranschlagten Kosten von rund 15.000 Mark für das Planieren kostete es die Kirchengemeinden lediglich 11,70 Mark die Soldaten mit Brot, Butter, Wurst, Bier und sechs Flaschen Weinbrand zu verköstigen.
Die Chronik weiß ferner zu berichten, dass die Bauarbeiten sofort nach Abzug des militärischen Großgerätes begannen. Am 23. Mai 1958 wurde Richtfest gefeiert. Die Rohbauabnahme ist auf den 25. August datiert. Am 1. Advent, dem 30. November 1958, konnte Einweihung in Anwesenheit von Superintendent Gustav Biesgen gefeiert werden. Im Januar 1959 seien die Bauarbeiten beendet worden. Lediglich die Böschung südlich des Kindergartens wurde noch etwas weiter abgeflacht.
In der Zeit des Kirchenbaues zählte die Bundeswehr rund 850 evangelische und 750 katholische Soldaten. Zu den monatlichen Truppengottesdiensten des Standortpfarrers kamen durchschnittlich 200 Besucher.
Die Gesamtkosten der Kirche waren mit 206.000 Mark veranschlagt worden. Gekostet hat sie tatsächlich 279.700 Mark. Finanziert wurde sie aus einer Baurücklage von 30.500 mark, aus eienr kirchgeldrücklage von 16.000 Mark, eine Baubeihilfe der rheinischen Kirche von 43.000 Mark, durch weitere Beihilfen und sogenannten Patensynoden von 50.000 Mark, durch Beihilfen der Stadt Wetzlar in Höhe von 75.000 Mark, durch einen Überhang der Kirchenkasse 1957 von 25.000 Mark sowie durch Spenden und Kollekten von über 10.000 Mark.
Am 13. Mai 1960 erhielt das Gotteshaus eine Orgel der Firma August Hardt und Sohn in Möttau (heute Stadtteil von Weilmünster). 1962 war das neue Pfarrhaus oberhalb des Kindergartens fertiggestellt, in das Pfarrer Weber einzog, der bis dahin behelfsmäßig in zwei Zimmern der Küsterwohnung untergerbacht war.
1963 wurde die Kirchengemeinde Wetzlar aufgeteilt. Die Silhöfer Aue wurde ein Bezirk der Kreuzkirchengemeinde.
1978 wurde ein Anbau an die Kirche erstellt mit einer Küche, Toiletten und Gruppenraum.
1989 wird Jörg Süss Nachfolger von Herbert Weber als Seelsorger im Gemeindebezirk Silhöfer Aue. 1994 beteiligen sich die Gemeindemitglieder an der Namensfindung für die bis dahin namenlose Kirche. Am 20. Januar 1995 erhält sie den Namen Magdalenenkirche. Damit wird zum einen der Name der Straße „Magdalenenhäuser Weg“ aufgegriffen. Zum anderen erinnert die Kirche nun an Maria Magdalene, die erste Zeugin der Auferstehung Jesu Christi.
Als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung hat die Gemeinde im Juli 2001 auf dem Dach der Magdalenenkirche eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen, die Anfang 2008 erweiterte wurde. Das Pfarrhaus wird inzwischen statt mit Heizöl durch Holzpellets beheizt. Im August 2001 ist die Gemeinde für drei Monate in ein Missionszelt auf der Kirchenwiese umgezogen. In dieser Zeit ist die Kirche umfassend renoviert worden. Zum 1. Advent 2002 wurde der Innenraum von dem Kirchenmeister Markus Zink (Leipzig( neu gestaltet zu einem hellfen, freundlichen Kirchenraum.
Fotos: Rühl
