
Lieber Leser!
Jeden Abend kam Annas Mama an ihr Kinderbett. Nach einem vertrauten Ritual sollte Anna behütet einschlafen. Zuerst las Mama etwas vor, dann betete Anna, danach deckte Mama sie zu und gab ihr einen Gutenachtkuss.
Doch an diesem Abend stockte Anna beim Gebet: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich …." „und weiter?" fragte Mama. Doch Anna brach wieder ab, zweimal noch. Und dann brach es aus ihr heraus. „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in der Mama ihr Bett reinkomm."
Mamas Bett, ein Bild für Geborgenheit, Nestwärme, Nähe. Annas Sehnsuchtsbild. So stellte sie sich den Himmel vor.
Irmtraud konnte kaum glauben, was sie da hörte. Sie wurde gelobt, ehrlich gelobt, mal nicht fertiggemacht wie 10 Jahre lang in der Schule von Mitschülern und Lehrern, für die sie dick, dumm und hässlich war. Jedem diente sie als Fußabtreter. Bis heute. Da wurde sie gelobt. Ein lange verschüttetes Glücksgefühl stieg in ihr auf und griff um sich. Sie hatte gar nichts Besonderes gemacht und wurde gelobt. Das war himmlisch.
Gabriella muss viel einstecken. Bei jeder Gelegenheit hagelt es Schläge und Beschimpfungen auf sie nieder. Ihr Mann ist rücksichtslos und brutal. Er verbietet ihr alles, auch den Chor, wo sie Selbstbewusstsein tanken kann. Doch sie lässt sich nicht brechen, singt emphatisch von der Freiheit und dass sie sich dadurch fühlt wie im Himmel. So zu sehen im gleichnamigen schwedischen Film.
Wie stellen wir uns den Himmel vor? Hoch droben hinter den Wolken, langweilig und fad oder mitten unter uns, so wie Jesus es verkündet hat? Diesen und vielen anderen Fragen können Sie vom 1. bis 10. Juni in der Himmelskirche (dazu wird die Hospitalkirche) und im Dom nachgehen. Und wir wünschen Ihnen dabei überraschende Entdeckungen.
Jörg Süß
