
Seit 40 Jahren ist Gabriele Freifrau von Falkenhausen Mitglied der Wetzlarer Gemeinde. Sie hat die Bedrängnisse der Nazizeit miterlebt und dabei ihren Glauben an Gott nicht verloren. Auch im Alter kann sie wenig davon abbringen, sich ehrenamtlich zu engagieren, wenn ihr eine Sache am Herzen liegt. Beispiele sind die Deutsch-Englische Gesellschaft und vielfältige Aufgaben in der evangelischen Kirchengemeinde. Am 28. Oktober wurde sie 90 Jahre alt.
Ihre Mutter entstammte einer jüdischen Familie aus dem Raum Frankfurt, deren Angehörige seit dem 19. Jahrhundert Christen waren. Sie selbst wuchs in Potsdam auf. Die Eltern traten 1934 der Bekennenden Kirche bei, die sich offen gegen das Nazi-Regime wandte. In dieser Zeit sollte sie konfirmiert werden. Doch auf einmal war ihr Pfarrer verschwunden - er war mit seiner jüdischen Ehefrau und den Kindern nach Dänemark geflohen. Dort wurde er später Hofprediger. Für die Einsegnung suchten ihre Eltern einen anderen Pfarrer der Bekennenden Kirche.
Nach dem Abitur verbrachte sie einige Zeit bei Verwandten in London. Nach dem Tod ihrer Mutter heiratete sie Kurt Hildebrandt Freiherr von Falkenhausen. Dessen Familie war wie ihre Eltern im Widerstand aktiv. Sein ältester Bruder wurde als Mitverschwörer des Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 inhaftiert. Sie selbst arbeitete als Lektorin für den christlichen Eckart-Verlag, der unter Beobachtung stand, weil seine Autoren gegen das NS-Regime waren. Zu ihnen gehörte Jochen Klepper, der Lieder wie "Er weckt mich alle Morgen" oder "Die Nacht ist vorgedrungen" verfasst hat. Eines Morgens erhielt sie beim Verlag einen Anruf von der Polizei: Klepper hatte sich mit seiner jüdischen Frau und der Stieftochter das Leben genommen. Das war ein Schock. Durch ihre Erfahrungen im Dritten Reich fällt es ihr mitunter schwer, aktuelle Konflikte in der Gemeinde nachzuvollziehen.
Trotz aller Risiken konnte das Ehepaar die NS-Zeit unbeschadet überstehen. Sie bekamen vier Kinder. Eine Tochter starb mit 58 Jahren an Muskelschwäche. Nach Wetzlar kam die Familie im Jahr 1968. Der Ehemann leitete die Rechtsabteilung bei Buderus. Er starb 1982 an einer Krankheit.
Gibt es einen Bibelvers, der ihr besonders wichtig ist? Bei dieser Frage muss Frau von Falkenhausen nicht lange überlegen. Es ist ihr selbst gewählter Konfirmationsspruch: "Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück." (Jesaja 28,17)