
Mit einem Festgottesdienst hat die Evangelische Kirche in Wetzlar Pfarrer Björn Heymer als Seelsorger am Dom eingeführt. Superintendentin Ute Kannemann hieß den aus Köln kommenden Pfarrer in einem Gottesdienst mit rund 250 Besuchern willkommen. „Heute ist ein besonderer Tag, weil nach langem Warten und Suchen Sie als neuer Pfarrer eingeführt werden“, so die Superintendentin. Seit der Beurlaubung und der späteren Versetzung in den Wartestand des bisherigen Stelleninhabers Michael Stollwerk im Oktober 2006 war die Stelle vakant. In der Gemeinde seien viel Freude und Zuversicht, aber auch hohe Erwartungen an Heymer zu spüren. Ihn reize, fordere und erfülle die neue Aufgabe, die den 49-Jährigen von Köln nach Wetzlar geführt hat. Ihrer Rede stellte Frau Kannemann den Bibeltext ,,Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm’’ (1. Johannesbrief, Kapitel 4, Vers 16) zugrunde. Die biblische Botschaft sei die Liebesgeschichte Gottes mit der Menschheit, „die sich in Jesus Christus bündelt“. Diese Liebe Gottes solle der "cantus firmus", also die Hauptmelodie, in der Arbeit des neuen Seelsorgers am Dom sein. Frau Kannemann wünschte der Gemeinde, dass sich Leben entfalten und der volle Klang der Gemeinde „hinausklingt und Menschen Heil und Rettung finden“.

In seiner Predigt ging Heymer auf einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium, Kapitel 17, Verse 11 bis 19 ein. Darin geht es um zehn Aussatz-Kranke, die Jesus heilt. Nur einer der zehn kehrt zu ihm zurück um ihm zu danken. In einer ähnlichen Situation stehe die Volkskirche, so Heymer. 90 Prozent würden am Gemeindeleben nicht teilnehmen. „Wo sind die Getauften, die nicht in den Gottesdienst kommen?“, fragte der neue Seelsorger. Dies müsse die Gemeinde beunruhigen und in Bewegung setzen.
Den Gottesdienst gestalteten die Kantorei und der Posaunenchor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Joachim Eichhorn mit.
Bei dem anschließenden Empfang wünschte die Superintendentin Björn Heymer ein fröhliches und gedeihliches Wirken in der Gemeinde und überreichte ihm Broschüren über Kirchen der Region sowie einen Buchgutschein.
An der Feier nahm auch Peter Kollas von der katholischen Domgemeinde teil. Er plädierte für Einheit in versöhnter Verschiedenheit und sagte, er hoffe auf eine gute Zusammenarbeit. Michael Dörr, ebenfalls von der katholischen Domgemeinde, wünschte, dass es Heymer als Hirte in Wetzlar gelinge, die Herde zusammenzuhalten.
Für die Evangelische Allianz wünschte Pastor Michael Michelfelder Weisheit in allen Aufgaben und eine gute Zusammenarbeit mit Kirchen, Freikirchen und Werken in der Stadt.
Auch auch Heymers bisherigem Wirkungskreis in Köln-Raderthal war eine Abordnung gekommen.Die Vorsitzendes des Presbyteriums der Philippusgemeinde, Susanne Greis, nahm den Abschied aus Köln mit Humor: "Wir haben den größeren Dom, aber keine Gewalt über die Predigtstätten. Von daher können wir es gut verstehen, dass er sich einen anderen Dom gesucht hat." Zur Erinnerung brachte sie ein Fass Kölsch mit.
Auch aus der Partnergemeinde in Erfurt waren Mitglieder nach Wetzlar gekommen. Christian Holtz von der Andreasgemeinde verband sein Grußwort mit einer Einladung, die Heymer binnen 15 Monaten annehmen möchte.
Heymer dankte für die herzerwärmende Aufnahme in Wetzlar. Der Theologe, dessen Vater aus Ostpreußen und seine Mutter aus Berlin stammt, hat seine Kindheit in Niedersachen erlebt. Als er elf Jahre alt war, zog die Familie ins Ruhrgebiet nach Essen. An die Schulzeit schloss sich eine Lehre als Industriekaufmann an. Seinen Zivildienst leistete er im EC-Freizeitheim Hattingen bei Bochum. Das Theologiestudium begann Heymer im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen. Darauf folgten sechs Semester in Tübingen, weitere Studien in Jerusalem und Münster, wo er als wissenschaftliche Hilfskraft noch eine Jahr am Institutum Judaicum Delitzschianum blieb. Das Vikariat führte Heymer nach Altwied im Westerwald, die Zeit im Hilfsdienst absolvierte er in Eckenhagen und Hülsenbusch bei Gummersbach. Im „Kirchenkreis an der Agger“ leitete er von 1995 bis 1999 das missionarische Projekt „Im Aufbruch“. Seit 2000 war er Pfarrer der Philippusgemeinde in Köln. Heymer gehört seit elf Jahren zur Leitung des Arbeitskreises Missionarische Kirche der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Seelsorger ist nicht alleine nach Wetzlar gekommen. Björn Heymer ist verheiratet mit der Theologin Christine. Die beiden haben drei Kinder, Tochter Heinke ist zehn, Sohn Till sechs und derJüngste, Leander, ist zwei Jahre alt.