
Die Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar bekommt wieder einen Pfarrer für den Bezirk Dom. Das Presbyterium votierte bei einem Wahlgottesdienst am Dienstagabend mehrheitlich für den Kölner Theologen Björn Heymer. Der 48-Jährige hatte sich zuvor unter mehreren Bewerbern am stärksten empfehlen können. Seit der Beurlaubung und der späteren Versetzung in den Wartestand des bisherigen Stelleninhabers Michael Stollwerk im Oktober 2006 war die Stelle vakant. Am 1. August wird der neue Seelsorger seinen Dienst in der ersten Pfarrerstelle der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar aufnehmen.
Das Presbyterium stimmte in einem Wahlgottesdienst unter Leitung von Superintendentin Ute Kannemann (Lützellinden) im Dom mit 19 Ja, einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen für Heymer.
Der Theologe, dessen Vater aus Ostpreußen und seine Mutter aus Berlin stammt, hat seine Kindheit in Niedersachen erlebt. Als er elf Jahre alt war, zog die Familie ins Ruhrgebiet nach Essen. An die Schulzeit schloss sich eine Lehre als Industriekaufmann an. Seinen Zivildienst leistete er im EC-Freizeitheim Hattingen bei Bochum. Das Theologiestudium begann Heymer im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen. Darauf folgten sechs Semester in Tübingen, weitere Studien in Jerusalem und Münster, wo er als wissenschaftliche Hilfskraft noch eine Jahr am Institutum Judaicum Delitzschianum blieb.

Das Vikariat führte Heymer nach Altwied im Westerwald, die Zeit im Hilfsdienst absolvierte er in Eckenhagen und Hülsenbusch bei Gummersbach. Im „Kirchenkreis an der Agger“ leitete er von 1995 bis 1999 das missionarische Projekt „Im Aufbruch“. Seit 2000 ist er Pfarrer der Philippusgemeinde in Köln.
Heymer gehört seit elf Jahren zur Leitung des Arbeitskreises Missionarische Kirche der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Mein Herz schlägt für Mission. Menschen sollen Zugang zu Glauben und Kirche finden“, fasst er sein Credo zusammen. Wer den Glauben nicht für sich entdeckt, verpasse etwas von Lebensqualität, ist er überzeugt.
„Den anderen seinen Glauben glauben“, das habe er bei seinen Kontakten mit anderen christlichen Traditionen in Jerusalem sowie im stark katholisch geprägten Münster gelernt. Über Konfessionsgrenzen hinweg habe er dabei eine Christus-zentrierte Frömmigkeit entdeckt.
Heymer kommt mit vielen neuen Ideen nach Wetzlar. „Wir sollten sehr aufmerksam miteinander wahrnehmen, was schon gewesen ist, bevor wir uns zu neuen Aktionen verabreden“, sagte er bei einer Veranstaltung in der Unteren Stadtkirche. Dazu sei es hilfreich, dass es ein „gemeindliches Normalprogramm“ gibt, über das nicht neu abgestimmt werden müsse.
Der Theologe bezeichnet sich selbst als ein Freund der Evangelischen Allianz. So will er den Kontakt zu anderen christlichen Gemeinden in der Stadt suchen. Der Glaube gehört für Heymer nicht nur in die Kirchenmauern sondern auch auf öffentliche Plätze.
Björn Heymer ist verheiratet mit der Theologin Christine. Die beiden haben drei Kinder, Tochter Heinke ist neun, Sohn Till sechs und derJüngste, Leander, ist zwei Jahre alt.
Erstes Foto: Der Kölner Pfarrer Björn Heymer wird im August neuer evangelischer Seelsorger am Wetzlarer Dom.