
Im Alter von 80 Jahren ist Alt-Superintendent Theo Preis (Wetzlar) in der Nacht zum 27. Juni 2009 gestorben. Über 30 Jahre war der Theologe Gemeindepfarrer an der Kreuzkirche in Wetzlar. Bereits sein Vater Paul war Pfarrer, sein Sohn Christopher und auch ein Schwiegersohn Jürgen Schweitzer sind in seine Fußstapfen getreten. Auch zwei seiner Brüder wählten den Pfarrdienst. Seine Motivation, den Pfarrberuf zu ergreifen, stammte auch aus Erfahrungen in einem Schülerbibelkreis in Wuppertal-Elberfeld. Das in Jesus Christus begründete Zeugnis der Verkündigung sei ihm in seinem Beruf als Pfarrer entscheidend wichtig gewesen, erzählte er kürzlich.
1928 ist Theodor Preis in Lixfeld im Kreis Biedenkopf geboren. 1944 geriet der damals 16Jährige als Luftwaffenhelfer für knapp zwei Jahre in Kriegsgefangenschaft. Nachdem sein Vater die Pfarrstelle in Waldgirmes übernommen hatte, machte Preis in Gießen Abitur und studierte in Marburg, Heidelberg und Amsterdam Theologie. Im Anschluss absolvierte er sein Vikariat bei der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) in Michelstadt im Odenwald und besuchte in dieser Zeit die Predigerseminare in Herborn und Friedberg.
Schon in seiner Amtszeit in Darmstadt lag Theodor Preis die Jugendarbeit sehr am Herzen. So wurde er dort zum Dekanats-Jugendpfarrer gewählt. Und auch im Kirchenkreis Wetzlar hat er das Referat für Jugendarbeit geleitet, war zudem in der Jugendkammer der EKHN und der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) tätig.
Am 1. Februar 1960 wurde er als Pfarrer des dritten Gemeindebezirks der Kreuzkirchengemeinde eingeführt und wechselte damit in die rheinische Kirche. Zugleich übernahm er die Nachfolge von Hans Peltner als Jugendpfarrer des Kirchenkreises Wetzlar. Preis baute die Beratung von Kriegsdienstverweigerern mit auf und war im Sozialethischen Ausschuss der Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar aktiv. In seiner Dienstzeit begründete er in seiner Gemeinde zahlreiche Initiativen. Beispielsweise entstand der Singkreis im Oktober 1960 aus einer Jugendgruppe. Preis war auch Motor für den Bau der evangelischen Kindertagesstätte Neue Wohnstadt, die 1963 eingeweiht wurde. Sehr beliebt unter den Gemeindegliedern waren seine Freizeiten, die er als wichtige Impulse für das Gemeindeleben betrachtete.
1970 wurde er zum Superintendenten des Kirchenkreises Wetzlar gewählt. Ein Schwerpunkt, besonders in den achtziger Jahren, wurde unter seiner Leitung die Diakonie. Die Beratungsstelle für Arbeitslose im Turm der Kreuzkirche, die Modellbauwerkstatt und das Stephanuswerk, ein Evangelischer Verein für Diakonie, entstanden. Auch im Verein „Junge Arbeit Wetzlar” war er Gründungsmitglied. Diese Werke verstand er als „Zeichen der glaubenden Gemeinde, die im diakonischen Handeln sichtbar werden.“ Im Mai konnte er sein 50-jähriges Ordinationsjubiläum begehen.
Sein Horizont ging weit über die Region Mittelhessen hinaus zu einem weltweiten Engagement. Der Kirchenkreis verdankt Theodor Preis die partnerschaftliche Beziehung mit dem Kirchenkreis Windhoek in Namibia. Auch für die Begegnung mit der Waldenser- und der Baptistengemeinde in Siena (Italien), und andere Kontakte trat Superintendent Preis persönlich ein.
Preis gehörte mehrere Jahre lang der Missionsleitung der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) an. Er war Vorstandsvorsitzender der Königsberger Diakonie und in weiteren Gremien aktiv. Ziel seiner Verkündigung sei es stets gewesen „das Geschenk der Gnade, das uns in Jesus Christus angeboten wird, soll sichtbar werden“.