Das geistliche Wort

Liebe Gemeindeglieder,

wir schreiben den 24. Januar - und es erreicht mich die freundliche Erinnerung von Karla Zenker, dass ich für das geistliche Wort ausersehen bin. Die heutige Tageslosung ist ein schönes Leitwort nicht nur für diesen Tag: „Sie werden weinend kommen, spricht Gott, aber ich will sie trösten und leiten. Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, auf dem sie nicht straucheln; denn ich bin Israels Vater.“ (Jeremia 31.9).

Sie werden weinend kommen...“ Gott weiß es, Gott kennt es: Menschen werden immer wieder weinend zu ihm kommen. Ja, er weiß: Viele kommen gerade dann und manche nur dann. Wie Kinder eben: die genießen Freiräume und Selbständigkeit, bis es irgendwelche Probleme gibt. In dem Sinne bleiben wir auch als Erwachsene Kinder – und ich sage das ohne nörgelnden Unterton! Gott will selbständige Menschen, er hat uns zu verantwortlichen Menschen erschaffen: zu den einzigen Wesen im Kosmos, die eigenständig und vernünftig Entscheidungen treffen und dafür Verantwortung tragen, Gott Antwort geben sollen, warum sie so oder so entschieden haben.

Und weil uns das so gefällt mit der Selbständigkeit, rücken wir auch mit Tränen meist nicht so locker raus – obwohl das oft gesünder wäre. Am allergesündesten ist es bei Gott – weil wir da am alleroffensten sein können! Dass wir die Tränen bei Menschen oft verbergen, hat ja mitunter gute Gründe.

Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten...“: und leiten! Also nicht nur auf den Schoß nehmen und trösten, sondern auch weiterführen, aus der Notzone hinaus zu gefahrlosen Lebensquellen: „Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, auf dem sie nicht straucheln...“ Gott erinnert seine ersten Adressaten dieser Worte hier an ganz Vertrautes: dass die Schafe oder Ziegen, wenn sie irgendwo Wasser sehen, blindlings steile Uferböschungen oder in tiefe Brunnenlöcher hinabsteigen und dann eben „straucheln“, abrutschen oder gar abstürzen: Davor will Gott uns bewahren! In unserem Lebensdurst gerade in schwierigen Zeiten machen wir es in der uns gegebenen Selbständigkeit eben nicht selten wie das liebe Vieh und nehmen riskante direkte Wege. Da ist es gut, dass Gott sich weiterhin als „Leiter“ anbietet und uns nicht kalt in unserer Selbstverantwortlichkeit alleine lässt – wie gute Eltern ihren erwachsenen Kindern zwar nicht ungefragt reinreden, aber als Ratgeber bei Bedarf zur Verfügung stehen. So tut es auch Gott – auch in Krisenzeiten in der Ehe, Familie, Firma: „denn ich bin Israels und euer Vater“.

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen Ihr

Pfarrer Aurel Everling

 

 

 

 

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